Folgeerkrankungen der Zuckerkrankheit

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,

die oft verwendete Bezeichnung "diabetische Spätschäden" ist eigentlich irreführend. Sie könnte zu der Annahme verleiten, dass solche Schäden immer erst nach vielen Jahren Diabetesdauer auftreten. Das trifft aus heutiger Sicht nicht zu. Zwar ist um so eher mit solchen Schäden zu rechnen, je länger der Diabetes besteht. Aber bei unzureichender Behandlung und schlechter Stoffwechseleinstellung können sich manche dieser Schäden schon relativ schnell entwickeln. Anstatt - etwas verharmlosend - von Spätschäden zu sprechen, sagen Ärzte heute lieber "diabetische Folgeschäden". Ursache hierfür sind meist Durchblutungsstörungen der Gefäße. In erster Linie treten sie an den Augen, den Nieren und am Herzen auf. Durch gute Stoffwechseleinstellung kann man aber etwas dagegen tun. 

Schäden an den Augen

Folgeschäden an den Augen heißen diabetische Retinopathie. Und zwar deswegen, weil die Retina - also die Netzhaut am Hintergrund des Augapfels - besonders in Mitleidenschaft gezogen ist. Bei schlechter Diabeteseinstellung werden die feinen Äderchen in der Netzhaut geschädigt. Es kann zu Blutungen und Vernarbungen und schließlich zur Ablösung der Netzhaut kommen.

Der Betroffene merkt davon oft erst dann etwas, wenn sein Sehvermögen sich akut verschlechtert. Schlimmstenfalls ist Erblindung die Folge. Tatsächlich ist die diabetische Retinopathie bei uns die häufigste Ursache für Erblindungen.

Vorsichtshalber sollte sich jeder Diabetiker - auch wenn er noch keinerlei Sehstörungen hat - mindestens einmal jährlich beim Augenarzt untersuchen lassen. Denn je früher Veränderungen am Augenhintergrund festgestellt werden, desto besser können sie behandelt werden. Eine beginnende Netzhautablösung kann vom Augenarzt meistens mit einer Laser-Behandlung  gestoppt werden. 

Schäden an den Nieren

Bei Folgeschäden an den Nieren spricht man von diabetischer Nephropathie. Bei schlechter Stoffwechseleinstellung werden die feinen Äderchen in der Niere verengt und die Nierenkörperchen geschädigt. Die Folge ist, dass sie "porös" werden und Eiweißstoffe aus dem Blut in den Urin übertreten, die normalerweise dort nicht vorkommen. Mit der Zeit nimmt der Schaden an den Nierenkörperchen immer mehr zu. Schlimmstenfalls kommt es zum völligen Nierenversagen (besonders häufig bei Typ-I-Diabetikern). Dann bleibt nur noch die regelmäßige Blutwäsche an der künstlichen Niere, die sog. Dialyse, oder eine Nierentransplantation.

Vorsorglich sollten Diabetiker jedes halbe Jahr ihren Urin auf Eiweißspuren untersuchen lassen. Schon kleinste Mengen werden dabei heute entdeckt, also wenn sich eine Nierenschädigung noch im Anfangsstadium befindet. Durch gute Stoffwechseleinstellung und die Gabe des Wirkstoffs Captopril kann die Schädigung oft rückgängig oder - in späteren Stadien - zumindest gebremst werden. 

Schäden an den großen Blutgefäßen

Bei Schäden an den großen Blutgefäßen spricht der Arzt von diabetischer Angiopathie. Arteriosklerotische Gefäß-veränderungen, die zu Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall führen können, treten zwar mit zunehmendem Alter auch bei stoffwechselgesunden Personen auf, aber bei den meist übergewichtigen Typ-II-Diabetikern oft früher und häufiger. Sie sollten deshalb - auch wenn es schwer fällt - unbedingt aufs Rauchen verzichten! Denn Nikotin schädigt die Gefäße noch zusätzlich (nicht umsonst spricht man schon bei Stoffwechselgesunden vom "Raucherbein").

Bei der Ernährung sollten Sie auf alles verzichten, was die Arteriosklerose begünstigt, also cholesterinreiche Nahrungsmittel, fette Speisen, vor allem tierische Fette. Zu bevorzugen sind pflanzliche Fette und Diätöle - natürlich gerade bei übergewichtigen Typ-II-Diabetikern in Maßen (Fette haben den höchsten Kaloriengehalt).

Diabetiker sollten sich regelmäßig beim Arzt auf Herz und Kreislauf untersuchen lassen, damit ein zu hoher Blutdruck oder Durchblutungsstörungen des Herzens rechtzeitig festgestellt werden. 

Schäden an den Nerven

Dann gibt es noch die durch schlechte Einstellung der Zuckerkrankheit bedingten Nervenschädigungen, die diabetische Neuropathie. Sie kann praktisch an allen Nerven auftreten und führt etwa zu Kribbeln oder Schmerzen in den Beinen, Verdauungsbeschwerden oder Potenzstörungen. Natürlich können diese Beschwerden auch andere Ursachen haben als die Zuckerkrankheit. Das muß der Arzt klären. Steht der Diabetes als Ursache fest, können durch eine sehr gute Blutzuckereinstellung die neuropathischen Beschwerden oft gebessert werden. Der Arzt kann auch bestimmte Medikamente verordnen. Diabetisch bedingte Potenzstörungen können vielfach gut behandelt werden. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt bzw. dem Urologen. 

Probleme mit den Füßen

Ein besonderes Problem stellt der so genannte "diabetische Fuß" dar. Da durch die Nervenschäden das Warnsignal "Schmerz" nicht ausreichend oder gar nicht wahrgenommen wird, bemerkt der Diabetiker Fußverletzungen oft nicht. Durch diabetische Folgeschäden an den Gefäßen und an den Nerven der Beine besteht bei Verletzungen der Füße ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Wunden heilen sehr schlecht. Im Extremfall kann das betroffene Gewebe sogar absterben, der Arzt spricht dann von einer Gangrän.  

Bitte beachten Sie: Schon die kleinste Verletzung kann gefährliche Folgen haben. Vermeiden Sie alles, was den Füßen schaden könnte: 

·         Gehen Sie nicht barfuß!

·        Verwenden Sie keine Heizkissen oder Gummiwärmflaschen zur Erwärmung kalter Füße. Aufgrund der mangelnden Schmerzempfindung ist beim Diabetiker oft auch das Wärmeempfinden gestört. Überprüfen Sie bei (Fuß-)Bädern die Wassertemperatur mit einem Thermometer. Sie sollte zwischen 36 und 38 Grad Celsius liegen.

 

Achten Sie auf eine sorgfältige Fußpflege:

·        Da man sich bei der Pediküre besonders leicht verletzen kann, ist es besser, das Schneiden der Nägel und das Beseitigen der Hornhaut einem/r erfahrenen Fußpfleger(in) zu überlassen.

·         Tragen Sie nur gut sitzende, von Anfang an bequeme Schuhe, die keine Druckstellen hinterlassen. Zu enge Schuhe behindern die Durchblutung zusätzlich.

·        Trocknen Sie die Füße nach dem Waschen gut ab, und cremen Sie sie sorgfältig ein, um trockene, rissige Stellen zu vermeiden. Dabei können Sie gleichzeitig die Haut auf mögliche Verletzungen untersuchen. Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie auch nur eine geringe Hautveränderung oder Verletzung bemerken. Auch Fußpilz dürfen Diabetiker nicht auf eigene Faust mit rezeptfreien Medikamenten behandeln. 

Vorbeugen ist möglich!

Am wichtigsten zur Vorbeugung aller diabetischen Folgeschäden ist die gute Blutzuckereinstellung. Das heißt: Der Blutzuckerspiegel sollte - mit Hilfe von Diät, regelmäßiger körperlicher Bewegung, Tabletten oder Insulin  - nach Möglichkeit auf dem normalen Niveau eines Stoffwechselgesunden gehalten werden.  

Mit einer solchen kontinuierlich guten Einstellung können Folgeschäden oft ganz vermieden oder zumindest um viele Jahre hinausgezögert werden.

Fragen Sie uns - Wir beraten Sie gerne!



Letzte Aktualisierung am 27.06.2008