|

Dass ein Zeckenstich ein gesundheitliches Risiko darstellen kann, ist den
meisten Menschen bekannt. Als erstes wird dabei meist an die FSME
(Frühsommer-Meningoenzephalitis) gedacht, eine unter Umständen sehr schwer
verlaufende Erkrankung, die vor allem im Süden Deutschland verbreitet ist. Laut
Robert Koch-Institut (RKI) wurden im vergangenen Jahr 422 FSME-Fälle gemeldet.
Gegen FSME kann man sich impfen lassen.
Es gibt jedoch noch eine weitere Erkrankung, die viel weniger bekannt ist:
die Borreliose. Und diese Erkrankung wird von vielen Menschen unterschätzt,
denn...
Borreliose: wird auch als Lyme-Borreliose bezeichnet. Bekannt wurde
die Krankheit durch den Ort Lyme in Conneticut (USA), in dem gehäuft
Gelenksentzündungen in der Folge von Zeckenstichen auftraten.
Überall dort, wo es Zecken gibt, kann man sich eine Borreliose
“einfangen”. Da es überall in Deutschland, von der Nordseeküste bis in die Alpen
Zecken gibt, besteht in allen Teilen Deutschlands Gefahr durch Borreliose.
Im Gegensatz zur FSME gibt es hierzulande gegen Borreliose keine
Impfung für den Menschen. In den USA gab es ein Zeit lang eine
wirksame Impfung gegen die Lyme-Borreliose. Da dieser Impfstoff nicht alle der
in Deutschland verbreiteten Erregertypen enthielt, wurde diese Impfung hier
nicht zugelassen. In den USA wurde der Impfstoff vom Markt genommen.
Etwa jede 5. Zecke ist mit Borrelien infiziert. Die Durchseuchungsrate
schwankt sehr stark, es gibt Gebiete, in denen bis zu 50 Prozent der Zecken mit
Borrelien infiziert sind, in anderen Gebieten sind es nur wenige Prozent. Anders
als bei der FSME können jedoch keine Endemiegebiete eingegrenzt werden.
Bis zu 100.000 Menschen erkranken Schätzungen zufolge jährlich in der
Bundesrepublik. Die genaue Zahl ist nicht bekannt, da in den meisten
Bundesländern keine Meldepflicht besteht.
Es kann zu schweren Verlaufsformen mit Haut- und
Gelenkbeschwerden sowie neurologischen Veränderungen kommen.
Auch Hunde können Borreliose oder andere durch Zecken übertragene
lebensgefährliche Erkrankungen bekommen. (Dazu später mehr!) Borreliose kann
schwerwiegende Folgen haben. Hier einige Fallbeispiele:
- L. Vogt, eine 45-jährige Bankkauffrau, hat starke Gelenkschmerzen und
Schwellungen, v.a. an Händen und Schultern. Die Frau wird auf Rheuma usw.
untersucht, schließlich stellt sich heraus, dass sie aufgrund einer früheren,
nicht bemerkten Borreliose an einer Polyarthritis leidet. Eine medikamentöse
Behandlung bringt ein wenig Linderung. Zehn Jahre später: Morgens braucht Frau
Vogt eine halbe Stunde, um beweglich zu werden und die Schmerzen in den Griff
zu bekommen. Schmerzen hat sie nun nicht mehr nur wie anfangs in Händen und
Schultern, sondern im ganzen Körper. Tagsüber wird es besser. Wenn sie länger
sitzt und dann aufsteht, ist es besonders schlimm. Daher versucht sie, sich
viel zu bewegen. Glücklicherweise ist Frau Vogt ein sehr positiv denkender
Mensch, sie akzeptiert die Krankheit als Teil ihres Lebens.
- Bei H. Krag, 30 Jahre, wird eine Borreliose festgestellt. Sie leidet unter
extremen Nervenschmerzen, gegen die sie starke Schmerzmittel einnimmt. Im
Laufe der Zeit leidet sie mehr und mehr an den Nebenwirkungen dieser
Medikamente. Über ein Jahr lang ist sie immer wieder wochenlang
arbeitsunfähig.
Holzbock: Ixodes ricinus Weltweit gibt es etwa 800, in Deutschland
ca. 19 verschiedene Zeckenarten (z. B. Taubenzecken, Igelzecken,
Schafszecke, eingeschleppt auch die braune Hundezecke u.a.) Alle, außer dem
Holzbock, sind jedoch wirtsspezifisch, sie werden daher dem Menschen nicht
gefährlich. Der Holzbock hat sich als einzige Zecke Europas nicht nur an
verschiedene Umweltbedingungen, sondern auch an verschiedene Wirte angepasst. Er
ist daher gefährlich für den Menschen und seine Haustiere, beispielsweise Hunde.
In Bezug auf Hunde gibt es in Deutschland weitere relevante Arten, darauf wird
später noch hingewiesen. (Bis zum Kapitel “Hunde” ist, wenn von “Zecken” die
Rede ist, Ixodes ricinus gemeint.)

Zecken gehören zu den Spinnentieren, nicht zu den Insekten, wie viele
glauben. Daher haben sie 8 Beine und nicht 6, wie die Insekten. Sie
besitzen einen ungegliederten Körpersack, ein Kopf fehlt. Das kopfartige
Gebilde vorn ist lediglich der Stichapparat mit Tastern. Ixodes ricinus kommt
fast überall in Europa vor (zwischen dem 40. Breitengrad als Südgrenze
und dem 60. Breitengrad als Nordgrenze). Deutschland liegt im Kern des
Verbreitungsgebietes. Man findet den Holzbock bis in eine Höhe von etwa 1000
Metern, gebietsweise auch höher. Überall, auch außerhalb Deutschlands, wo es
diese Zecke gibt, überträgt sie auch Borreliose. Wer eine Urlaubsreise plant,
sollte dies bedenken. Zecken sind ab etwa 7 Grad Celsius aktiv, das
bedeutet, dass man, je nach Witterung, von März bis Oktober mit ihnen rechnen
muss.
Jahreszeitlicher Verlauf der Zeckenaktivität Die Kurve zeigt, dass
sich die Tiere im Frühsommer und dann noch mal im Herbst besonders wohl fühlen
und aktiv sind. Zecken brauchen eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 80 Prozent.
Den trocken-heißen August mögen sie daher nicht so gerne, da für sie dann Gefahr
durch Austrocknung besteht. Doch die Parasiten sind Überlebenskünstler: Wenn es
zu trocken wird, ziehen sie sich in die Laubstreuschicht des Bodens zurück.
Sobald die Luftfeuchtigkeit wieder steigt, kommen sie wieder hervor. Aber wie
gesagt: Gefahr durch Zecken besteht im gesamten Zeitraum von März bis
Oktober. Hier sind die verschiedenen Entwicklungsstadien von Zecken
dargestellt. Für jeden Entwicklungsschritt benötigen die Tiere eine
Blutmahlzeit.
Ein Zeckenweibchen legt ca. 2000 Eier in den Boden ab. Daraus schlüpfen
die Larven: Diese sind nur etwa 0,5 mm groß. Nach der Blutmahlzeit
häutet sich die Larve und wird zur Nymphe: Nymphen sind etwa 1 mm
groß. Nach der Blutmahlzeit und Häutung bezeichnet man sie
als Adultus: Die erwachsenen Tiere haben ein Körpergröße von bis zu
etwa 4 mm. Die vollgesogenen Weibchen können bis zu 1,2 cm groß sein.
Wirte: Grundsätzlich bevorzugen die kleinen Larven kleinere
Wirtstiere, wie Mäuse. Jedoch finden sich alle Entwicklungsstadien auch an
Menschen und Hunden. Die kleinen Larven werden aufgrund ihrer geringen
Körpergröße oft übersehen. Vor allem im Hundefell sind sie kaum zu
finden. Zecken leben in bodennaher Vegetation, also im Gras (außer im kurz
gemähten, da ist es zu trocken), in Büschen oder der Krautschicht an Wegrändern,
in Wäldern, Parks oder Gärten. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit gibt es in der
Nähe von Flüssen oder Seen oft besonders viele Zecken.
Im Gegensatz zur häufig verbreiteten Ansicht lassen sich Zecken nicht von
Bäumen fallen. So hoch klettern sie nicht. Sie kommen nur bis etwa 1,5 Meter
hoch. Die Parasiten sitzen am Ende von Grashalmen oder an Blättchen von
Kräutern, und warten auf vorbeikommende Wirte. Streift ein Wirt die Pflanze, auf
der die Zecke lauert, beleibt der Schmarotzer dank seiner Widerhaken am Ende
seiner Vorderbeine am Wirt hängen.
Borrelien sind hierzulande die häufigsten und damit wichtigsten
Infektionserreger, die von Zecken übertragen werden. Daneben gibt es aber noch
einige andere: FSME-Viren, Babesien, Ehrlichien und Rickettsien. Bei einem
Stich kann es zu Mehrfachinfektionen kommen, weil Zecken oftmals nicht nur einen
der genannten Erreger, sondern gleichzeitig mehrere beherbergen. Diese Erreger
können auch für Hunde gefährlich werden. Der korkenzieherförmige Erreger der
Lyme-Borreliose wurde 1982 von Willy Burgdorfer entdeckt und nach ihm als
Borrelia burgdorferi benannt. Borrelien gehören zur Ordnung
Spirochaeten. Aufgrund molekulargenetischer Analysen wurden bisher 10
Genospezies beschrieben, wovon bisher drei Arten als sicher humanpathogen
gelten: B. burgdorferi sensu stricto, B. garinii und B. afzelii.
Die Bakterien leben im Darm der Zecke und gelangen beim Blutsaugen über
Ausscheidungen der Zecke in die Stichwunde.
Die Symptomatik der Lyme-Borreliose ist außerordentlich vielgestaltig. Daher
wird die Borreliose oft auch als “der Affe” unter den Krankheiten bezeichnet.
Der klinische Verlauf der Erkrankung lässt sich grob in drei Stadien
einteilen: 1. Stadium: Lokale Hautmanifestation (Erythema migrans) 2.
Stadium: zeigt sich überwiegend als neurologische Störungen und wird daher
als „Neuroborreliose“ bezeichnet. 3. Stadium: zeigt sich überwiegend als
Gelenkbeschwerden und wird daher als „Lyme-Arthritis“ bezeichnet. Dabei
können einzelne Stadien übersprungen werden oder aber in jedem der Stadien eine
spontane Ausheilung erfolgen.
Als erste Erscheinung der Erkrankung bildet sich mehrere Tage bis wenige
Wochen nach dem Zeckenstich um die Stichstelle herum eine sich ringförmig
ausbreitende Hautrötung, die so genannte Wanderröte. Diese Rötung kann
allmählich zentral verblassen. Sie ist nicht zu verwechseln mit einer kleinen,
bis zu 1-Euro-Stück großen Rötung, die häufig schon während des Saugaktes um die
Einstichstelle herum entsteht und sich nicht ausdehnt.
Aber Vorsicht: Nicht jede Borrelieninfektion beginnt mit einer Wanderröte!
Das Fehlen einer Wanderröte nach Zeckenstich bedeutet also nicht unbedingt, dass
keine Borreliose vorliegt. Die Angaben, wie häufig ein Erythema migrans
auftritt, schwanken zwischen 60 bis 90 Prozent. Neben der Wanderröte können
im ersten Stadium der Krankheit unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit,
Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen auftauchen. Im
folgenden Stadium der Borreliose, das Wochen bis Monate nach Erkrankungsbeginn
einsetzen kann, zeigen sich Komplikationen vor allem im Bereich des
Zentralnervensystems. Dabei kann es zu Nerven- und Hirnhautentzündungen kommen.
Quälende brennende Schmerzen, Sensibilitätsstörungen und Lähmungen treten auf.
Weiterhin kann das Herz betroffen sein. Dabei kann es in schweren Fällen zu
Entzündungen des Herzmuskels mit Herzrhythmusstörungen kommen.
Monate bis Jahre nach dem akuten Krankheitsbild kommt es zu einem dritten
Stadium. Im Vordergrund stehen chronische, wieder auftauchende
Gelenkentzündungen (Arthritis). Am häufigsten ist dabei das Kniegelenk
betroffen. Diese Entzündungen können das Leben der Patienten stark
beeinträchtigen. Zudem kann es zu fortschreitenden neurologischen Veränderungen
und pergamentartigen Hautveränderungen kommen.
Zuerst erhebt der Arzt die Krankheitsgeschichte. Meistens ist es notwendig,
eine Blutprobe zu entnehmen. Sie kann zeigen, ob Antikörper (Antikörper bildet
der Körper nach Kontakt mit körperfremden Stoffen, um sie abzuwehren) gegen
Borrelien gebildet wurden. Die Antikörper können häufig zwei bis vier Wochen
nach dem Zeckenstich im Blut nachgewiesen werden. Manchmal vergehen aber auch
bis zu zwei Monate. Das bedeutet, dass eine Borreliose vorliegen kann, obwohl
die Blutprobe negativ ist. Es gibt Fälle von eindeutiger Borreliose im Stadium 1
oder 2, ohne dass Antikörper nachweisbar wären. Umgekehrt verhält es sich
ähnlich: Eine positive Blutprobe bedeutet nicht unbedingt, dass man sich vor
kurzem infiziert hat. Die Antikörper können von einer alten Ansteckung kommen
und lassen sich jahrelang im Blut nachweisen, ohne dass Symptome einer
Borreliose vorliegen. |
 |
Bei Verdacht auf eine Neuroborreliose wird eine Untersuchung der
Rückenmarksflüssigkeit vorgenommen. Grundsätzlich muss jede Manifestation der
Lyme-Borreliose antibiotisch therapiert werden. Je früher therapiert wird, desto
sicherer werden Spätmanifestationen vermieden. Der klinische Erfolg der
Antibiotika-Therapie ist in frühen Infektionsstadien am besten. Bei typischem
klinischen Bild (Erythema migrans, akute Neuroborreliose) sollen
mikrobiologische Befunde nicht abgewartet werden und die Therapie natürlich auch
bei negativem mikrobiologischen Befund fortgesetzt werden. Die mikrobiologische
Diagnostik ist im Übrigen bei klinisch eindeutigem Erythema migrans nicht
erforderlich. Dosierung, Dauer, Antibiotikum und Art der Verabreichung richten
sich nach dem klinischen Bild und dem Stadium der Erkrankung.
Die FSME wird durch Flavi-Viren hervorgerufen. In Endemiegebieten sind bis zu
3,5 Prozent der Zecken mit diesen Erregern verseucht.
Innerhalb Deutschlands kommen die Erreger in Bayern und Baden-Württemberg und
in einigen Gebieten von Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz vor. Außerhalb
Deutschlands kommt FSME auch in Österreich, der Schweiz, Polen usw. vor (genaue
Verbreitung siehe www.dgk.de / Stichwort FSME).
Das Krankheitsbild der FSME umfasst Kopfschmerzen, Fieber,
Hirnhautentzündung, Gehirnentzündung und Lähmungen. In etwa 1 Prozent der Fälle
führt die Erkrankung zum Tode. Eine wirksame Methode, die Viren zu bekämpfen,
gibt es nicht, man kann nur die Krankheitssymptome lindern. Deswegen ist es sehr
wichtig, dieser Krankheit vorzubeugen: Jeder, der sich länger in dem
Verbreitungsgebiet der FSME aufhält, sollte sich gegen FSME impfen lassen.
Babesiose Die Babesiose ist eine weniger bekannte von Zecken
übertragene Erkrankung. Erreger sind einzellige Parasiten (Protozoen), die mit
dem Erreger der Malaria verwandt sind. Babesiosen beim Menschen sind relativ
selten, schwerwiegende Infektionen sind sehr selten. Symptome: u.a. Unwohlsein,
Fieber, Muskelschmerzen.
Ehrlichiose Diese Erkrankung wird durch Bakterien, Ehrlichien,
ausgelöst. Beim Menschen kann sie unter anderem zu Fieber, Kopf- und
Muskelschmerzen führen. Die meisten erkannten Erkrankungen verlaufen harmlos,
wenige schwer. Beim Menschen spielt Ehrlichiose sicherlich eine viel geringere
Rolle als Borreliose oder FSME. Bei Tieren spielt sie hingegen eine größere
Rolle.
Rickettsiose Rickettsien sind parasitäre Mikroorganismen, die sich
in vielen Zecken, Flöhen, Milben, und Läusen als Überträger finden. Beim
Menschen verursachen sie eine ganze Reihe von Krankheiten mit unterschiedlichen
Krankheitsbildern, die medizinisch zur Gruppe der Rickettsiosen zusammengefasst
werden. Als Beispiele seien genannt Fleckfieber, Typhus, Rickettsien-Pocken und
das Rocky-Mountain-Fleckfieber. Diese Erkrankungen spielen bei uns in
Deutschland nur als Urlaubmitbringsel eine Rolle.
Wer ist vor allem durch Zecken gefährdet?
Sportler und Wanderer Jogger laufen oft auf Feld- und Waldwegen.
Streifen sie dabei hohe Gräser oder Kräuter, so können sie sich Zecken
“einfangen”. Auch beispielsweise Golfer oder Reiter halten sich in Biotopen auf,
in denen sich auch die Zecken wohlfühlen. Wanderer sind ebenfalls gefährdet.
Gärtner und Naturfreunde Viele wissen nicht, dass Zecken im Garten
lauern können, auch wenn dieser in der Stadt liegt. Besonders häufig sind
Zecken in Gärten, die nahe am Waldrand liegen. Naturfreunde sind beispielsweise
beim Picknicken, Baden an Seen, Blumenpflücken oder bei der Obsternte auf
Streuobstwiesen gefährdet.
Kinder beim Spielen im Freien Kinder tummeln sich gerne in Feld,
Wald und Wiese. Oder auch im Stadtpark. Durch ihren natürlichen Bewegungsdrang
kommen sie besonders häufig mit Pflanzen in Kontakt, auf denen Zecken lauern
können.
Pilz- und Beerensammler Auf der Suche nach Pilzen und Waldbeeren
schlagen sich die Sammler begeistert ins Unterholz. Wenn eine ergiebige Stelle
in Sicht ist, werden die Zecken vergessen. Dabei fühlen sich die Blutsauger in
niederer Vegetation des Waldes besonders wohl.
Förster, Jäger, Waldarbeiter Wer sich von Berufswegen häufig im
Wald aufhält, ist natürlich besonders gefährdet. Förster, Jäger und Waldarbeiter
sollten daher besonders gut aufpassen.
Tierhalter, speziell Hundehalter Zecken saugen auch gerne an
“Mietze und Bello”. Zecken, die noch im Fell des Vierbeiners herumkrabbeln, um
eine geeignete Stichstelle zu suchen, können beim Streicheln auch auf den
Menschen übergehen. Zudem: Hundehalter gehen mit ihren Hunden oft dort
spazieren, wo es viele Zecken gibt. Sie sollten sich daher ebenfalls
schützen.
Tragen Sie lange Kleidung: Zecken wird dadurch das Auffinden einer geeigneten
Stichstelle zumindest erschwert. Bevorzugen Sie geschlossene Schuhe. Stecken Sie
die Hose zudem in die Strümpfe. Auch das hält die Parasiten von der Haut
ab. Tragen Sie ein wirksames Zeckenschutzmittel, wie beispielsweise Autan®
auf. Vor allem dann, wenn man sich nicht von oben bis unten einhüllen möchte.
Zudem: Kleidung allein hält die Parasiten nicht sicher ab. Denn auf der Suche
nach einer geeigneten Stichstelle krabbeln die Plagegeister oft stundenlang
umher – und geraten so auch unter die Kleidung. Daher sollten zumindest Arme und
Beine auch unter der Kleidung mit einem wirksamen Zeckenschutzmittel eingerieben
werden. Ein gutes Repellent zeichnet sich dadurch aus, dass es den Parasiten
stinkt, nicht aber dem Menschen. Als zuverlässiger und angenehmer Wirkstoff,
Zecken die Lust auf ihren Lebenssaft zu verderben, hat sich beispielsweise
Icaridin erwiesen, der in Autan® enthalten ist. Diese Produkte wirken bis zu
vier Stunden und sind bereits für Kinder ab zwei Jahren geeignet. Sind Zecken
auf einen Wirt gelangt, krabbeln sie oft noch viele Stunden umher, um eine
geeignete Stichstelle zu suchen. Nach einem Aufenthalt im Freien sollte man
daher die Kleidung sorgfältig ausschütteln oder in den Wäschetrockner stecken.
In der Kleidung versteckte Zecken werden durch trockene Hitze abgetötet.
Untersuchen Sie den ganzen Körper auf Zecken. Bei Kindern befinden sich Zecken
häufig an Kopf oder Hals, bei Erwachsenen finden sie sich häufiger an Beinen
oder Rumpf. Achten Sie beim Absuchen auch auf die winzigen Larven, die häufig
übersehen werden. Herumkrabbelnde Zecken entfernen und abtöten.
Entfernen Sie die Zecke so schnell wie möglich Kommt es trotz aller
Vorsichtsmaßnahmen doch zu einem Zeckenstich, heißt es schnell reagieren.
FSME-Viren werden sofort, mit Beginn des Saugaktes, übertragen. Borrelien werden
hingegen erst nach einigen Stunden in den Stichkanal abgegeben. Daher ist es
wichtig, die Blutsauger so schnell wie möglich zu entfernen. Je länger die Zecke
saugt, desto größer wird die Gefahr, sich mit Borrelien zu infizieren.

Entfernen Sie die Zecke ohne Quetschen Bei der Entfernung der Zecke
ist darauf zu achten, dass der Zeckenleib nicht gequetscht wird, da dadurch
Erreger aus dem Darm der Zecke in die Wunde gepresst werden können. Am besten
eignen sich ganz feine Pinzetten, eine Zeckenkarte oder -schlinge aus der
Apotheke. Damit sollte die Zecke möglichst hautnah gepackt und vorsichtig
herausgezogen werden. In der Haut fest sitzende Zecken sind mit ihrem
Stechrüssel dübelartig in der Haut verankert. Ziehen Sie daher mit geringer
Zugspannung gerade und gleichmäßig, ohne Drehbewegung.
Achten Sie auf erste Anzeichen einer durch Zecken übertragbaren
Erkrankung. Von entscheidender Bedeutung für die rechtzeitige Diagnose
und Therapie ist das Bemerken von Anfangssymptomen. Behalten Sie die Stichstelle
mehrere Wochen lang im Auge. Falls Sie eine sich um die Einstichstelle herum
ausbreitende Hautrötung entdecken, sollten Sie sofort zum Arzt gehen. Achten Sie
auch auf Kopf- und Gelenkschmerzen, Fieber oder grippeähnliche Symptome.
Alle vorher schon genannten Erkrankungen können auch Hunde betreffen und zum
Teil schwerwiegende oder sogar lebensbedrohliche Verläufe nehmen.
Es gibt 3 Zeckenarten, die hierzulande Krankheiten auf den Hund übertragen
können:
Der überall in Deutschland vorkommende Holzbock überträgt auf Hunde
sowohl FSME, als auch Borreliose. Während die Vierbeiner in der Regel nicht sehr
anfällig gegenüber der FSME zu sein scheinen, kann die Borreliose auch bei ihnen
schwere Verlaufsformen annehmen. Symptome sind u.a. schmerzhafte
Bewegungsstörungen, Lahmheiten, veränderte Reflexe, Gleichgewichtsstörungen.
Buntzecken kommen in Deutschland bislang überwiegend regional begrenzt
vor, neuere Untersuchungen zeigen aber, dass diese Zeckenart häufiger wird. Mit
Babesien infizierte Buntzecken übertragen bei Hunden die gefürchtete
“Hundemalaria”. Ähnlich der Malaria beim Menschen, werden bei befallenen Hunden
die roten Blutkörperchen zerstört. Der Hund kann bereits nach vier bis fünf
Tagen an Blutarmut oder innerhalb von zehn Tagen an Nierenversagen sterben.
Die Braune Hundezecke kommt weltweit in warmen Klimazonen vor. Sie ist
in Europa auf den Mittelmeerraum beschränkt. Als “Reisesouvenir” aus warmen
Gefilden mitgebracht, fühlen sich diese Parasiten auch in Wohnungen und
Stallungen in unserem Land wohl, wo sie sich teilweise massenhaft vermehren
können. Braune Hundezecken können nicht nur Babesiose, sondern auch Ehrlichiose
auf den Hund übertragen. Diese Erkrankung führt beim Hund u.a. zu
Appetitlosigkeit, Blutungen, Fieber.
Hierzulande gibt es zwar nicht für Menschen, wohl aber für Hunde eine
Borreliose-Impfung. (Grund: Für den Menschen sind in Deutschland drei
Borrelia-Subtypen pathogen. Es gibt derzeit keinen Impfstoff, der vor
allen drei Erregern schützt. Für eine Impfstoffzulassung auf dem deutschen Markt
müsste dieses Kriterium aber erfüllt sein. Für den tierärztlichen Bereich sind
die Bestimmungen nicht so streng. Daher gibt es einen Impfstoff gegen Borreliose
beim Hund, der nur gegen einen Subtyp wirksam ist.)
Der Impfstoff ist umstritten, da er nicht sicher gegen verschiedene Subtypen
schützt und die Impfung möglicherweise Nebenwirkungen hat. Zudem schützt er
nicht vor den anderen Zeckenerkrankungen beim Hund.
Nach einem Spaziergang in einem zeckenreichen Gebiet sollten Hunde regelmäßig
nach Zecken abgesucht und die Blutsauger vorsichtig entfernt werden. Die
winzigen Larven und Nymphen werden im Fell jedoch oft übersehen. Daher ist es
sicherer, den Hund vor Zeckenbefall zu schützen. Hierfür stehen beispielsweise
Spot on Produkte, die auf die Nackenhaut geträufelt werden, Shampoos oder Sprays
zur Verfügung. Diese Mittel besitzen allerdings oft nur eine begrenzte Wirkdauer
von etwa 4 Wochen.
Etwa zehn Prozent der angebotenen Halsbänder gegen Zecken leisten gute
Dienste. Bevor Sie jedoch unnötig Geld ausgeben, sollten Sie Ihren Tierarzt
fragen, welche Produkte sinnvoll sind. Ein genereller Nachteil von Halsbändern
ist, dass sie oft gesundheitsbedenkliche Wirkstoffe enthalten. Auch müssen sie
ständig getragen werden.
Inzwischen gibt es Halsbänder, die den gegen Zecken und Insekten
hochwirksamen und für Hunde ungiftigen Stoff Deltamethrin enthalten, wie
beispielsweise das Scalibor® Protectorband.
Deltamethrin breitet sich durch die Fettschicht der Haut über den ganzen
Körper aus, da es im Blut unlöslich ist. Es schützt 6 Monate vor Zecken und
Sandmücken.
Bei allem Bewusstsein über die Gefahren durch Zecken sollte sich niemand die
Freude an der Natur nehmen lassen. Entdecken und genießen Sie die Natur – und
denken Sie dabei an den richtigen Zeckenschutz. |