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Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, die vor allem Männer betrifft.
Sie ist gekennzeichnet durch gelegentliche, stark schmerzhafte Gichtanfälle. In
manchen Fällen verläuft die Gicht auch weniger schwer und dafür chronisch. Bei
einem Gichtanfall schwillt das betroffene Gelenk schmerzhaft an. Es ist gerötet
und angeschwollen. Typischerweise ist das Grundgelenk der großen Zehe betroffen.
Ohne Behandlung dauert ein Gichtanfall drei bis vier Tage. Durch Medikamente
lässt er sich aber sehr schnell behandeln.
Wie entsteht Gicht?
Am Anfang der Erkrankung steht eine
erhöhte Konzentration von Harnsäure im Blut. Harnsäure ist ein
Stoffwechselprodukt, das jeder Mensch, auch der Gesunde, aus seiner Nahrung
bildet. Harnsäure entsteht im Körper auch bei Umbauprozessen von körpereigener
Substanz. Im Gegensatz zum Gesunden schafft es aber der Gichtpatient nicht, die
Harnsäure in ausreichender Menge mit dem Urin auszuscheiden. Das kann zwei
Ursachen haben. Entweder bildet der Patient aufgrund der Ernährung oder seiner
erblichen Veranlagung zuviel Harnsäure, oder die Harnsäureausscheidung über die
Nieren ist gestört. Ein erhöhter Harnsäurespiegel mündet erst nach einiger Zeit
in einen Gichtanfall. Diesen ersten Gichtanfall kann man vermeiden, wenn ein
erhöhter Harnsäurespiegel rechtzeitig erkannt und mit Medikamenten oder einer
Umstellung der Ernährung gesenkt wird. Ein Arzt kann den Harnsäurewert im Blut
bestimmen, wenn Risikofaktoren für eine Gicht vorliegen.
Faktoren, die die Bildung von Harnsäure erhöhen
Die Bildung von Harnsäure ist erhöht, wenn durch eine falsche
Ernährung Vorstufen der Harnsäure in zu großer Menge mit der Nahrung
aufgenommen werden. Diese Harnsäurevorstufen nennt man in der Fachsprache
Purine. Purine sind lebenswichtige Bestandteile aller Zellen und deshalb
in allen Nahrungsmitteln in unterschiedlicher Menge enthalten. In großen Mengen
sind sie enthalten in Fleisch, Fisch, Fleischextrakt und vor allem in Innereien.
Pflanzliche Nahrung ist im Allgemeinen arm an Purinen, mit den folgenden
Ausnahmen: Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen), Nüsse, Pilze, Kohl, Lauch,
Spinat. Überernährung scheint die Entstehung der Gicht zu begünstigen. Viele
Gichtpatienten sind übergewichtig.
Faktoren, die die Ausscheidung der Harnsäure behindern
Hier ist
an erster Stelle der Alkohol zu nennen. Er behindert über einen
komplizierten Mechanismus die Ausscheidung der Harnsäure.
Ist die Flüssigkeitszufuhr zu gering, dann nimmt auch die Filtrationsleistung
der Nieren ab, und der Harnsäurespiegel steigt an. Es steigt nicht nur die
Gefahr eines Gichtanfalls, sondern es besteht auch die Möglichkeit, dass sich
Harnsäurekristalle in den Nieren ablagern und dort Nierensteine bilden.
Durch eine falsche Ernährung mit zuviel Fleisch und zuwenig Obst und
Gemüse wird nicht nur die Harnsäurezufuhr erhöht, es verändert sich auch der
Harn. Er wird saurer. Je saurer der Harn ist, desto schlechter löst sich die
Harnsäure darin auf. Deshalb besteht bei saurem Harn die Gefahr, dass sich
Harnsäuresteine in den Nieren bilden.
Wegen der Gefahr der Steinbildung ist die Gicht nicht nur eine
Gelenkerkrankung. Bei langem Bestehen werden auch die Nieren in Mitleidenschaft
gezogen.
Was geschieht bei einem Gichtanfall?
Unter glücklichen Umständen führt ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut nicht
zwangsläufig zum Entstehen eines Gichtanfalls. Durch gewisse Auslöser kann es
aber dazu kommen, dass die Harnsäure sich in einem Gelenk ansammelt und dort
auskristallisiert. Ein Gichtanfall ereignet sich meistens in der Nacht. Durch
die Harnsäurekristalle im Gelenkspalt wird das Gelenk geschädigt.
Außerdem locken die Harnsäurekristalle weiße Blutkörperchen an. Die weißen
Blutkörperchen fangen an, die Kristalle in ihr Inneres aufzunehmen. Die relativ
großen, scharfkantigen Kristalle zerstören die weißen Blutkörperchen, nachdem
diese die Harnsäurekristalle "gefressen" haben. Die Blutkörperchen platzen und
geben ihren Zellinhalt frei. Unter den freigesetzten Substanzen sind sehr
aggressive Stoffe, die einen heftigen Schmerzreiz im Gelenk auslösen. Andere
Inhaltsstoffe locken weitere weiße Blutkörperchen an, die ihrerseits die
Harnsäurekristalle auffressen und absterben. Es entsteht ein Teufelskreis. Auf
die Dauer werden die Gelenke, die von den Gichtanfällen betroffen sind, massiv
geschädigt.
Die Harnsäure lagert sich nicht nur im Gelenkspalt ab, sondern auch unter der
Haut. Diese Ablagerungen nennt man Gichtknoten oder Tophi. |
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Was der Arzt tun kann
Die Behandlung der Gicht durch den Arzt unterteilt sich in die Behandlung des
akuten Gichtanfalls und die Senkung der erhöhten Harnsäurespiegel in den
beschwerdefreien Perioden. Im akuten Anfall mildert der Arzt die Schmerzen
durch die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten. Daneben wird das Gift
der Herbstzeitlose, das Colchicin, eingesetzt, um die zerstörerische Aktivität
der weißen Blutkörperchen in Schach zu halten. Das Colchicin verhindert, dass
die weißen Blutkörperchen in das Gelenk einwandern können. Damit wird der
Teufelskreis der Gelenkentzündung unterbrochen.
Ist der Anfall überstanden, dann muss versucht werden, den Harnsäurespiegel
abzusenken. Dazu werden Medikamente verordnet, die verschiedene Angriffspunkte
besitzen. Die Wirkstoffe Benzbromaron und Sulfinpyrazon fördern die Ausscheidung
der Harnsäure. Der Wirkstoff Allopurinol hemmt die Bildung von Harnsäure aus
ihren Vorstufen. Durch die Hemmung der Harnsäurebildung und die Förderung der
Harnsäureausscheidung lässt sich der Harnsäurespiegel nachhaltig senken.
Was Sie selbst tun können
Es ist bekannt, dass die Gicht in Notzeiten extrem selten ist. In früheren
Jahrhunderten litten nur die Reichen und Privilegierten an Gicht, die sich eine
Ernährung mit viel Fleisch und Fett leisten konnten. Aus diesen Beobachtungen
kann man zu Recht den Schluss ziehen, dass sich ein erhöhter Harnsäurespiegel
durch Diät senken lässt. Die erste Stufe besteht darin, Speisen zu
meiden, die Harnsäurevorstufen in großer Menge enthalten. Streng verboten sind
Innereien. Mageres Fleisch oder fettarmer Fisch kann zweimal wöchentlich
verzehrt werden. Der Rest des Speisezettels sollte bestehen aus Gemüse und
Getreide, Obst, Eiern und fettarmen Milchprodukten. Eier sind allerdings wegen
ihres hohen Gehalts an Cholesterin eventuell aus anderen Gründen problematisch.
Ist es bereits zu einem Gichtanfall gekommen, dann muss man einige Wochen
strenge Diät halten. Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, Nüsse und Pilze sind dann
absolut zu meiden. Nach einer Zeit kann man auf eine Diät umsatteln, die arm ist
an Harnsäurevorstufen, den erwähnten Purinen.
Es kommt aber nicht nur darauf an, mit der Nahrung wenig Harnsäure
aufzunehmen. Neben dem Verzicht auf Innereien und übermäßigen
Fleischkonsum sollte man allgemein weniger essen und das Körpergewicht
normalisieren. Essen Sie viel Obst und Gemüse. Für den Gichtkranken ist eine
solche Ernährung dreifach hilfreich. Erstens wird die Zufuhr von Harnsäure
gesenkt, zweitens wird durch den geringeren Brennwert von pflanzlicher Nahrung
das Abnehmen erleichtert, drittens machen Obst und Gemüse den Urin weniger
sauer, was der Gefahr von Harnsteinen vorbeugt.
Trinken Sie täglich drei Liter Flüssigkeit, sofern nicht wegen einer
anderen Erkrankung eine ärztliche Einschränkung besteht. Verzichten Sie
aber auf alkoholische Getränke, weil Alkohol den Harnsäurespiegel erhöht.
Durch die bessere Nierenspülung vermeiden Sie einen Nierenschaden als Folge der
Gicht.
Eine große Rolle für die Auslösung des Gichtanfalls spielt der Mangel an
Bewegung. Fangen Sie wieder an, mehr Sport zu treiben. Wer sich bewegt, dem
fällt auch das Abnehmen leichter. Wenn durch die Gicht bereits ein Gelenkschaden
besteht, dann sollten Sie vorher mit Ihrem Arzt reden.
Gicht ist für sich gesehen schon eine schwere Stoffwechselerkrankung. Alle
Faktoren, die das Entstehen einer Gicht begünstigen, erhöhen auch die Gefahr
einer Gefäßverkalkung mit den Folgen Herzinfarkt und Gehirnschlag. Diese
Risikofaktoren sind Übergewicht und Bluthochdruck, erhöhtes Blutcholesterin,
Bewegungsarmut. Durch eine Umstellung der Lebensweise läßt sich nicht nur die
Gicht bekämpfen, sondern auch das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung
senken. |